12. Juni 2012

Nordea Master in Bro Hof Slott - Was mir nicht gefiel

Ich wollte ja noch aufschreiben, was mir in den Tagen des Nordea Masters in Bro Hof Slott nicht so gut gefallen hat. Es gibt ein paar Punkte, an denen das Turnier sich meiner Meinung nach verbessern kann. Hierbei geht es mir heute in erster Linie um das Erlebnis für die Zuschauer.

Größter Knackpunkt war in diesem Jahr das Master Village mit den Zelten vieler Sponsoren, darunter viele Golfdestinationen. Das Master Village wurde vom Eingang direkt am Rande des ersten Lochs in Mitte des Golfplatzes verlegt, was ja grundsätzlich erst einmal nicht so schlecht klingt, dachte ich zumindest. Die Idee war vermutlich, mehr Leute direkt auf den Golfplatz zu kriegen und nicht nur in das Master Village. In der Praxis stellte sich der Umzug aber als katastrophal heraus. Anders kann man es nicht nennen. Die Erde war nass und sumpfig, die Zelte die meiste Zeit leer, es sah oft mehr aus wie eine verlassene Geisterstadt. Die Sponsoren dort, vor allem die Reisedestinationen waren mit Sicherheit nicht glücklich, gab es doch kaum Gäste, mit denen sie hätten reden können. Im Jahr davor musste jeder Gast mindestens einmal durch das Village gehen und so war dort immer was los. Im diesen Jahr machten die Gäste alle einen großen Bogen um die Zelte auf dem Weg zu den Löchern, um die Golfer zu sehen. So weit ich das in Erfahrung bringen konnte, haben die Turnierverantwortlichen das aber auch schon wahrgenommen und so wird es spannend zu sehen sein, welche Lösung im nächsten Jahr gefunden wird.

Das schlechte Master Village ist sicherlich auch ein Grund für meinen zweiten Kritikpunkt, den völlig fehlenden Ideen & Konzept, um Kindern und Jugendlichen etwas zu bieten. Immerhin haben alle Kinder bis 18 Jahre freien Eintritt, das ist ja schon einmal etwas. Aber einmal auf dem Golfplatz müsste es viel mehr Aktionen geben, um Golfbegeisterung zu wecken. Im Masters Village gab es ein paar Netze zum Bälle schlagen, ein "Putting for Charity" und das war es dann aber auch schon. Keine Kinderschläger standen zur Verfügung, keine Action und Spiele für die Kids. Ich erinnere mich im letzten Jahr an deutlich mehr Aktionen. Von Volkswagen gab es eine Rennstrecke mit ferngesteuerten Autos und eine größere Anlage mit Netzen war exklusiv für Kinder, die dort auf bunte Ziele chippen und schlagen konnten. Hier ein Bild aus 2011:

110724_Nordea_Masters_Day4-20

Ich stelle gerade fest, dass ich nicht mal ein Bild von den traurigen Zuständen gemacht habe, so schlimm fand ich das. Muss wohl meine Reporterfähigkeiten noch trainieren und so etwas in Zukunft auch dokumentieren. Die vielen schönen Bilder bei mir auf Flickr von Zelten sind übrigens der VIP-Bereich rund um die Löcher 17 und 18. Dort sah es "natürlich" anders aus. Dort hatten aber auch nur die Gäste der Sponsoren Zutritt.

Aber zurück zu den Kindern, was die Sache fast schon tragisch macht ist, dass der schwedische Golfverband und alle anderen Offiziellen ja andauernd über die Bedeutung des Nachwuchs reden. Denn auch in Schweden geht die Zahl der Golfer zurück, es muss also was getan werden. Aber außer Reden passiert anscheinend nicht viel. Denn hier habe ich das größte Golf-Event in Skandinavien, das live im öffentlich-rechtlichen TV übertragen wird und mehr als freier Eintritt (den ich wirklich begrüße und wertschätze) fällt den Damen und Herren offensichtlich nicht ein. Ohne groß drüber nachzudenken, würden mir sofort 10 Dinge einfallen, die man VOR, WÄHREND und NACH dem Turnier machen könnte, um die junge Golfspieler einzubinden. Aber da ich mit Kommunikation mein Geld verdiene, werde ich diese Ideen mal ausnahmsweise nicht kostenlos zu Verfügung stellen. Abgesehen davon, liest meinen deutschen Blog vermutlich eh keiner in Schweden (und wenn doch, dann werde ich es durch diesen kleinen Rant hier dann wohl erfahren :-)

Die Veranstalter sprachen am Sonntag von einem neuen Zuschauerrekord von 61.000 Besuchern an allen vier Tagen. Ich glaube, da wurde sehr optimistisch gezählt, aber das kann ich nicht überprüfen. Ich war an allen vier Tagen da, der erste Tag, es war ein Feiertag in Schweden, war gut besucht. Ich denke aber, dass sich alle Beteiligten hier an dem Feiertag noch mehr erhofft hatten. Die Tage zwei und drei waren mau, am Abschlusstag (war schon am Samstag) war es richtig gut und voll mit rund 20.000 Leute auf der Anlage. Dort kam auch richtig Stimmung auf. Vielleicht muss man über das Ticketing noch einmal nachdenken. 395 SEK für ein Tagesticket und 695 SEK für 4 Tage sind eine Menge Geld. Ich denke auch hier könnte man mit Gruppen- oder Clubpreisen oder anderen Angeboten noch mehr Leute überzeugen. So ein Turnier läuft halt auch im golfverrückten Schweden nicht von alleine. 

So, das war es dann aber auch, ich lass es jetzt mal gut sein mit der Meckerei. Und da man ja immer einen positiven Abschluss finden soll hier noch ein paar Dinge, die richtig gut waren. Sergio Garcia und Lee Westwood über mehrere Löcher folgen. Die wohl besten Grüns auf der European Tour (Aussage von Spielern), ein fantastischer Golfplatz im allerbesten Zustand. Die wahnsinnig gut aussehenden Fernsehbilder (danke, Farbfilter!) von dem Platz, auf dem ich diesen Freitag selber wieder hacken darf. Die vielen freiwilligen Helfer, ohne die das Turnier nicht möglich wäre und vieles, vieles mehr.

P.S. über das Catering für die freiwilligen Helfer und Presse hülle ich den Mantel des Schweigens...

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diese Einschätzungen! Leider bekommt man diese Sicht jenseits der VIP-Zelte in den klassischen Golfmedien viel zu selten.

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  2. Bitte sehr. Wie sieht es denn bei Euch im Golfsportmagazin aus?

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